Klimazukünfte 2050. Geschichten unserer gefährdeten Welt. Hirnkost
dystopische Mischung mit zu viel Pädagogik
Einführung. Fritz Heidorn: Fiktionen als Realismus unserer Zeit
Heidorn erzählt Lesenden, wie es zu dem Wettbewerb und dem Buch kam. Dabei bekommt er es meines Erachtens gut hin, das Thema Klimawandel zu benennen, ohne allzu sehr in Sentimentalität oder eine pädagogisch mahnende Haltung abzudriften. Viel Neues erfahre ich jedoch nicht. Die Idee, dass die SF als Spiegel der Jetztzeit etwas bieten kann, ist ja auch nicht mehr neu, aber wichtig, immer wieder zu benennen.
Die Geschichten
Anne Aberlein: Fortschritt
Dieser Text wirkt vom Satz her wie ein Gedicht, dafür fehlt ihm aber die Verdichtung. Im Zeitraffer erzählt er von der Entstehung der Menschheit und einer möglichen Zukunft, die zur Bescheidenheit zurückfindet. Der benannte Gedanke ist nicht neu, das gefundene Bild nicht sonderlich originell. Am besten gefällt mir noch die Form des Textes (eine Pyramide und eine Sanduhr). Insgesamt entlockt der Text mir ein Schulterzucken und stellt dadurch für mich keinen gelungenen Auftakt dar.


Die Zeitschrift beginnt mit einem illustrierten Haiku, den ich nur als solchen erkannt habe, weil es im Inhaltsverzeichnis stand. Ich hielt ihn für ein Zitat. Dann folgen Kurzgeschichten.

Der Einstieg in dieses Buch gelang mir schnell. Ich mochte den trockenen Humor und die punktgenauen Dialoge, diese Teile holten mich sehr ab. Dafür haben mich die Beschreibungen gelegentlich irritiert, so die eines quecksilberähnlichen Kopfes, der bronzefarben ist und golden glänzt.
Ich hatte angenommen, dass der dritte Teil von „Xenogesis“ auf dem Mars spielen würde, der zum neuen Lebensort der Menschen wird, aber das ist nicht der Fall: Wie Teil zwei auch spielt „Imago“ auf der Erde, die von Oankali und Menschen bewohnt wird. Aber anders als die beiden vorigen Teile handelt es sich um eine Ich-Erzählung. Erzählperson ist Jodahs, der erste menschgeborene Ooloi, ein weiteres Kind von Lilith aus Teil 1. Jodahs hat ein verbotenes Geschlecht, denn es sollte männlich werden. Die Oankali wachsen die ersten Jahre ihres Lebens geschlechtslos auf und entscheiden erst dann, auch abhängig von den Bedürfnissen der Lebewesen im Umfeld, ihr Geschlecht. Dies wird durch die Ooloi-Eltern überwacht. Aber Jodah wird nicht, was es werden sollte. Diese Tatsache führt zu einer schönen Thematisierung von Gendertransition, beispielsweise als Nikanj, sein Ooloi-Elternteil, zu Jodahs sagt: „Du willst sein, was du bist. Das ist gesund und richtig für dich.“